Konzertreisen Teil 2

Brüssel - Der Jubelpark mit seinem Triumphbogen Parc du Cinquantenaire, Bruxelles - Fotoquelle: Wikipedia - Autor: User:Ben2 - Lizenz s.u.






Brüssel



Die Konzerte der Familie waren schon im vorhinein organisiert und vereinbart worden. Doch nicht immer stimmen die Terminpläne von Leopold mit denen seiner Gastgeber zusammen. So auch hier in Brüssel: Prinz Karl Alexander von Lothringen, der Bruder des Kaisers von Österreich und Generalgouverneur der Österreichischen Niederlande, läßt die Familie Mozart einen Monat warten. Leopold zeigte sich zunächst sehr besorgt, da diese unverhoffte und nicht eingeplante Wartezeit das Reisebudget schmelzen läßt. Trotzdem läßt Leopold Mozart keine Zeit ungenutzt verstreichen. In der Zwischenzeit besichtigt er mit seiner Familie Kirchen und Kunstsammlungen; besonders fasziniert ist er vom Maler Peter Paul Rubens (1577 - 1640). Im Anfang des Monats November werden die Mozarts endlich zu einem Konzert im Palast aufgefordert. Der Hof ist begeistert und Prinz Karl Alexander honoriert die Kinder sehr großzügig.



Brüssel Plan von Brüssel, 1555 - Jacob van Deventer - Bildquelle: Wikipedia (gemeinfrei)

Paris


Am 18. November 1763 kommt die Familie Mozart in Paris an. Der bayrische Diplomat Graf von Eyck, der mit der Tochter des Grafen Arco, Kammerherr des Erzbischofs Schrattenbach in Salzburg, verheiratet ist, lädt die Familie in seine Residenz. Ein Empfehlungsschreiben an den Baron de Grimm von der Gattin eines der beiden Bankiers Johann Philipp oder Simon Moritz v. Bethmann aus Frankfurt am Main erweist sich als sehr vorteilhaft. Der Baron lebt seit 1748 in Paris und ist ein angesehener Diplomat und Schriftsteller. Es handelt sich hier um Friedrich Melchior Baron von Grimm, geboren am 25. September 1723 in Regensburg. 1771 wird er von Kaiser Joseph II. geadelt- er erhält das Baronat. Baron von Grimm verstarb am 19. Dezember 1807 in Gotha. Durch die Hilfe Grimms werden die Mozarts am Weihnachtsabend des 24. Dezember 1763 nach Versailles eingeladen. Dies ist eine sehr große Ehre für gewöhnliche Leute und sie bleiben dort etwa 14 Tage am Hof von König Ludwig XV. und seiner Gemahlin Königin Maria Leszczynska. Auch die Mätresse des Königs - Madame Pompadour - hat von den Mozarts gehört und wohnt einem Konzert des kleinen Wolfgangs bei.



Paris Ansicht von Paris um 1600 - Bildquelle: Wikipedia (gemeinfrei)

1764


Am 1. Januar 1764 lädt der König die gesamte Familie Mozart zum Bankett. Der König von Frankreich und die Königin sind sehr angetan vom Liebreiz der Kinder. Die Königin beherrschte die deutsche Sprache, so dass sich die Famlie Mozart, und hier besonders Leopolds Frau gut unterhalten konnte. An diesem Neujahrstag soll der kleine Mozart an der Orgel in der Hofkapelle von Versailles gespielt haben. Die Einladung zum Bankett mit dem König wird für den weiteren Aufenthalt der Familie Mozart in Paris von großer Bedeutung. Die Tore der Gesellschaft stehen ihnen nun offen.

Kompositionen 1764:

KV 9:
Sonate für Klavier und Violine (G-Dur) — (Paris, 1764)
KV 10: Sonate für Klavier und Violine oder Klavier und Flöte B-Dur- (London, 1764),
KV 11: Sonate für Klavier und Violine oder Klavier und Flöte G-Dur - (London, Herbst 1764),
KV 12: Sonate für Klavier und Violine oder Klavier und Flöte A-Dur - (London, Herbst 1764),
KV 13: Sonate für Klavier und Violine oder Klavier und Flöte F-Dur - (Paris, London 1764),
KV 14: Sonate für Klavier und Violine oder Klavier und Flöte C-Dur - (London, Herbst 1764),
KV 15: Sonate für Klavier und Violine oder Klavier und Flöte B-Dur - (London, Herbst 1764),
KV 16: Sinfonie (Es-Dur), 3sätzig (London 1764 oder 1765, Uraufführung am 21.2.1765 in London),



Paris - Versailles Schloss Versailles - Bildquelle: Wikipedia - Autor: User:WeEnterWinter - Lizenz s.u.

Konzert beim Prinzen Conti


In Paris existiert ein königliches Dekret, dass öffentliche Konzerte ausschließlich im „Concert spirituel“ oder in der „Acadèmie royale de musique“ (Oper) aufgeführt werden dürfen. Diese Verfügung wird eigens für die Familie Mozart aufgehoben. Unter anderem konzertieren die Kinder beim englischen Botschafter, Graf von Bedford, weiterhin bei Louis Francois Prince Conti, der selbst über eine der besten musikalischen Institutionen verfügt. Baron Grimm sorgt dafür, dass Mozart im Saal von Monsieur Felix, in dem sich ein kleines Theater befindet, ein Konzert geben konnte. Der Erfolg läßt sich sehen und Leopold Mozart ist sehr zufrieden. Er denkt nun über eine Weiterreise nach London nach.



Wolfgang Amadeus Mozart Portrait of W.A. Mozart painted by J.- B. Greuze 1763-64 in Paris - Bildquelle: Wikipedia (Public domain)

Abreise nach London


Hier in Paris beginnt Wolfgang Amadeus Mozart mit dem komponieren eigener Sonaten. Ende Januar 1764 beendet er die Komposition von vier Sonaten für Klavier und Violine. Bei einem weiteren Besuch im Schloss Versailles überreicht Wolfgang der zweiten Tochter König Ludwigs XV, Louise-Marie-Thérèsie de Bourbon und der Comtesse de Tessè, Hofdame der Kronprinzessin die von ihm komponierten Sonaten (KV 8 und KV 9 - Zusatz: Opus 1). Auf Wunsch von Leopold Mozart erstellt Baron Grimm für den jungen Mozart eine persönliche Widmung an die Kronprinzessin von Frankreich, Victoire de France. Am 10. April 1764 verläßt die Familie Mozart Paris und reist über Calais weiter nach London.

„An Prinzessin Victoire de France

(...)Ich wünschte, Madame, die Sprache der Musik sei die der Dankbarkeit; ich wäre dann weniger verlegen, von der Empfindung zu sprechen, welche ihre Güte in meinem Herzen hinterlassen hat. Ich werde die Erinnerung daran mit in meine Heimat mitnehmen (...).“

Zitat nach O.E. Deutsch



Paris ...das Palais Garnier in Paris - Fotoquelle: Wikipedia - Autor: Robert Swinney - Lizenz: s.u.

London


Am 10. April 1764 verläßt die Familie Mozart Paris und macht sich auf den Weg nach Calais. Etwa 2 Tagesreisen ist Calais von Paris entfernt. Hier stellen sie ihren Reisewagen ab und der Diener Sebastian Winter verabschiedet sich. Die Kinder erblicken zum erstenmal in ihrem jungen Leben das Meer und erleben den Wechsel der Gezeiten. Die Überfahrt sei gut verlaufen, berichtet Leopold an seinen Freund Hagenauer nach Salzburg. Allerdings habe die Seekrankheit ihm schwer zu schaffen gemacht. Am 24. April 1764 erreichen sie London. Sie quartieren sich im Cecil Court (Cäcilienhof) ein. Der englische König Georg III. und Königin Charlotte - beide stammen aus Deutschland - freuen sich auf ihren Besuch. Das Herrscherpaar ist selbst sehr musikalisch. Die Königin spielte Klavier und der König schwärmt leidenschaftlich für Händels Musik.



London Panoramic view of London, 1751, by T. Bowles - Bildquelle: Wikipedia (gemeinfrei)

Konzert im Ranelagh-Saal


Als Musikliebhaber besucht der König Konzerte in den „Academiens of Ancient Music", im Haymarket oder im „Covent Garden Theatre“. Und so bittet er den kleinen Mozart, Kompositionen von Händel vom Blatt zuspielen und zu einem Baß von Händel eine Melodie zu komponieren. Wolfgang erfüllt ihm diesen Wunsch. Schon am 27. April 1764 geben Wolfgang und seine Schwester ihr erstes Konzert. Am 19. Mai konzertiert Wolfgang bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im berühmten „Ranelagh-Saal“. Er präsentiert sein Talent an der Orgel, am Cembalo und an der Violine und begleitet sogar die Königin und einen Flötisten. Hier trifft Wolfgang erstmals auf den von ihm auch noch in späteren Jahren geschätzten Komponist Johann Christian Bach, den Sohn von Johann Sebastian Bach. Während der Krankheit seines Vaters Leopold im Sommer 1764 wird Wolfgang von ihm unterrichtet.



London Buckingham Palace 1837 - Bildquelle: Wikipedia (gemeinfrei)

Konzert am Hof von König Georg III.


Die nächsten öffentlichen Konzerte folgen in Spring Garden und im kleinen Haymarket-Theater. Ein Konzert am 5. Juli 1764 bringt der Familie stolze 100 Guineen ein. Die Mozarts bewegen sich während ihres Londoner Aufenthaltes in den höchsten Kreisen. Am 25. Oktober 1764 findet ein weiteres Konzert am Hof von König Georg III. statt.

„(...) Als er beim König spielte, nahm er eine bloße Baßstimme und spielte eine vortreffliche Melodie darüber. Johann Christian Bach, der Lehrmeister der Königin, nahm den kleinen Mozart auf den Schoß und spielte einige Takte fort, und so abwechselnd spielten sie eine ganze Sonate mit einer solchen Präcision, daß Jeder, der ihnen nicht zusah, glauben mußte, das Stück würde nur von Einem gespielt (...)“

Zitat von Georg Nikolaus von Nissen



London Canada Gate in Green Park, London, Eingang zum Buckingham Palace - Bildquelle: Wikipedia (Public domain)

1765



Die Geschäftstüchtigkeit des Vaters zeigt sich besonders in den ersten Monaten des Jahres 1765 in London. Er gibt Annoncen in Zeitungen auf, kündigt seine Kinder als "Wunder der Natur" an und macht die Inhalte dieser Konzerte bekannt. So soll jedermann die erstaunlichen Fähigkeiten der jungen Musikanten selbst überprüfen können, indem ihm jedes beliebige Musikstück vorgelegt werden kann, "um es vista zu spielen...." Er deutet auch schon darauf hin, in "Bälde" England zu verlassen. Ferner werden die Klavier-Sonaten angepreist, die Wolfgang der Königin gewidmet hatte. Auch die Pariser Sonaten werden zum Kauf angeboten und auch ein Bildnis der Familie Mozart, das in Paris von L.C. de Carmontelle angefertigt wurde.



London London Tower


Auch die Königin zahlt Wolfgang für die "Dedication der Sonaten" 50 Guineen. Aber Leopold Mozart ist nicht zufrieden mit den Einkünften in London- er erhoffte sich mehr...! Im Juli 1765 erscheint die letzte Konzertanzeige in London. Nach diesem Konzert - am 24. Juli 1765 - brechen die Mozarts zur Rückreise nach Salzburg auf. Insgesamt währte ihr Aufenthalt in London über 18 Monate!

Kompositionen 1765:

KV 17:
Sinfonie (B-Dur),
KV 18: Sinfonie (Es-Dur),
KV 19: Sinfonie (D-Dur), 3sätzig, (London, Anfang 1765),
KV 20: Motette für Sopran, Alt, Tenor und Baß mit englischen Text ("God is our Refuge" — London, ]uli 1765),
KV 21: Arie "Va, da furor portata",
KV 22: Sinfonie (B-Dur), 3sätzig, (Den Haag, Dezember 1765),
KV 23: Arie für Sopran "Conservati fedele", (Oktober 1765),



London Parlament und Westminster Brücke

Calais und Lille


Sie verbringen einen Tag in Canterbury und folgen dann einer Einladung von Sir Horace Manns, die etwa eine Woche dauert. Am 1. August 1765 treten sie die Überfahrt nach Frankreich in Dover an. Auf Bitten des holländischen Gesandten in London führte die Heimreise über Holland nach Den Haag. Hier sollen sie vor der Schwester des Prinzen von Oranien - der Prinzessin von Weilburg - auftreten. In Calais angelangt, besteigen sie ihren dort zurück gelassenen Reisewagen und fahren von dort über Dünkirchen nach Lille (Ankunft am 26. August 1765). In Lille erfahren sie, dass der Kaiser Franz I. am 18. August in Wien gestorben ist. Vater und Sohn erkranken hier. Fast vier Wochen dauert die Genesung, bevor es nach Gent weitergeht.



Calais Theater in Calais - Foto: Wikipedia - Autor: Bodoklecksel - Lizenz s.u.

Gent und Antwerpen


Die Weiterreise führt die Familie durch Belgien Richtung Gent, wo sie das berühmte Glockenspiel bewundern und Mozart spielt auf der Orgel der Zisterzienserkirche. Ihr nächstes Ziel ist Antwerpen. Dort besucht der kunstbegeisterte Leopold Mozart mit seiner Familie sämtliche Kirchen und Sehenswürdigkeiten um besonders die Kinder mit dem großen Künstler Peter Paul Rubens bekannt zu machen. Der kleine Mozart spielt zwischendurch auf der Orgel der Kathedrale von Antwerpen. Die Weiterreise führt die Familie Mozart nach Den Haag.



Gent Belfort van Gent - Foto: Wikipedia - Autor: Donarreiskoffer - Lizenz s.u.

Quellenangabe:


Die Fotos "Belfort van Gent - Autor: Donarreiskoffer" - "Schloss Versailles - Autor: User:WeEnterWinter" - "The Palais Garnier in Paris - Autor: Robert Swinney" - "Parc du Cinquantenaire, Bruxelles - Autor: User:Ben2" - "Theater in Calais - Autor: Bodoklecksel" stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Diese Dateien sind lizenziert unter der Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 und unter der Creative Commons-Lizenz „Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported.







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